Billige Kleidung und ihre Herkunft

Verehrter Leser.

Immer wieder ist die Textilindustrie in der Kritik und man macht sich (zu Recht) Gedanken darüber, ob die getragene bzw. gekaufte Kleidung ethnisch korrekt hergestellt wurde oder ob man bei der Auswahl seiner Kleidung stärker auf ihre Herkunft achten sollte. Diese Frage möchte ich kritisch hinterfragen und an mehreren Beispielen Bezug darauf nehmen.
Ein sehr bekanntes Beispiel für die Textilindustrie ist der Textildiscount Primark. Diese Firma lässt ausschließlich in dem Niedriglohnland Bangladesch unter miserablen Bedingungen produzieren und sollte aufs Schärfste verurteilt werden.

Primark – Ein typischer Textildiscount

Primark wurde 1969 in Dublin unter dem Namen Penneys gegründet. Seitdem wurden insgesamt 257 Filialen in 8 Ländern eröffnet. Primark beschäftigt 27.500 Angestellte und erzielt einen jährlichen Umsatz von 3,2 Mrd. €. Primark produziert ausschließlich in dem Niedriglohnland Bangladesch und verspricht seinen Kunden, dass alle Artikel zwischen 2 und 35€ (bzw. 2 und 35 £) kosten.

Wie ist das möglich?

Nun könnte man sich fragen, wie das möglich ist. Dazu muss man wissen, wie Textildiscount im Allgemeinen funktioniert. Nötig für eine hohe Gewinnspanne der Unternehmen sind drei Faktoren:

  1. Die produzierte Kleidung muss im Einkauf günstig sein. So kostet eine in Bangladesch produzierte Hose inklusive Verschiffung nur 1€.
  2. Weiter muss es dem Textildiscount möglich sein, ohne oder mit nur Werbung auszukommen. Dadurch können die Ausgaben weiter gesenkt und der Gewinn gesteigert werden.
  3. Letztlich kann durch einen Einkauf von Kleidung in Massen der Einkaufspreis weiter gesenkt werden.

So können Gewinnspannen von über 50% erzielt werden. Primark hat sogar Gewinnspannen von über 80%. Die Firma nutzt keine Werbemittel, sondern verlässt sich auf Mundpropaganda.

2012 wurden Textilien im Wert von ca. 8 Mrd. Euro aus China importiert, der Einfuhrwert der Textilien aus der Türkei lag bei 3,07 Mrd. Euro, der von Textilien aus Bangladesch bei 2,9 Mrd. Euro. Von diesen Billiglohn-Ländern ist Bangladesch das Land mit dem geringsten Lohn.  

 

Die Textilindustrie in Bangladesch

In Bangladesch sind ca. 3,5 Millionen Arbeiter in der Textilindustrie beschäftigt (Tendenz: Steigend). Der Monatslohn eines gewöhnlichen Arbeiters in einer Textilfabrik liegt dort bei 3000 Takka (etwa 30€). Üblich ist dort eine 7-Tage-Woche mit 12 oder mehr Stunden Arbeitszeit. Notwendig zum Leben in der Stadt Dhaka sind für eine vierköpfige Familie umgerechnet 100€ (hierbei handelt es sich um einen minimalen Lebenstandard).

Defacto müssen also alle 4 Familienmitglieder einer dort ansässigen Familie in einer Fabrik arbeiten, um gerade so über die Runde zu kommen.

In Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen unabhängig von der schlechten Bezahlung alles andere als gut. Mutterschutz und Krankengeld werden nicht gewährt. Immer wieder gibt es sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz. Niemand achtet auf die Sicherheit der Arbeiter, sodass es oft zu Todesfällen kommt.

Unfälle und Todesfälle

So starb 2009 eine 18-jährige Näherin an Erschöpfung, nachdem sie 7 Tage lang 13 bis 15 Stunden in einer Fabrik gearbeitet hat.

Bei einem Brand im November 2012 starben 117 Menschen, weitere 200 wurden verletzt. Selbiges geschah in Chittagong mit 50 verletzten Menschen.

Bei einem Fabrikeinsturz im April 2013 starben in Sabhar 1100 Menschen. Die Polizei ließ das Gebäude sperren, als am Vortag Risse festgestellt wurden. Dennoch arbeiteten auf Geheiß des Fabrikleiters am Unglückstag 3000 Menschen in der Fabrik.

Als Folge dieses Vorfalls wurde das „Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch“ beschlossen und 18 Fabriken geschlossen. In dem Abkommen wurden einige Richtlinien zur Textilproduktion in Bangladesch festgelegt, welche scheinbar die Sicherheit und den Lebensstandard der Näher und Näherinnen verbessern sollten. An dieses Abkommen wird sich jedoch in Form einer „freiwilligen Selbstkontrolle“ jedoch nicht gehalten, sodass sich nichts geändert hat.

Ich denke…

Ich denke, jeder vernünftige Mensch sollte sich beim Kauf seiner Kleidung zweimal überlegen, ob er diese Ausbeutung und Verstöße gegen die Menschenrechte tolerieren will oder ob er sich darüber hinwegsetzen kann und Kleidung besserer Herkunft kauft. Anstatt sich Unmengen an günstiger Kleidung zu kaufen, welche in vielen Fällen auch nur selten getragen wird, sollte man weniger Kleidung kaufen, welche unter besseren Bedingungen hergestellt wird. Die Behandlung von den Textilarbeitern in Bangladesch ist absolut menschenunwürdig und sollte bestraft werden. Ich bin jedem Leser dankbar, der sich fortan gegen Kleidung aus widrigen Bedingungen entscheidet.

 

 

Euer Shian

 

 

Quellen:

 

  • ZDF heute
  • tagesspiegel.de
  • fr-online.de
  • statistica.com
  • handelsblatt.com
  • primark-ethicaltrading.de
  • wikipedia.de
  • kaitobloggt.blogspot.de